Es fällt vor allem erstmal dieser Name auf. Es hört sich ein bißchen an wie Papagei. Und den kennt ja jeder, aus dem Stuttgarter Zoo, der Wilhelma, zum Beispiel. Bewohnt wird das Land von den Urus, habe ich in den letzten vier Wochen sportpolitischer Berichterstattung gelernt. Lieblingsinstrument ist die Uruzela, könnte man meinen. Ist natürlich nicht so, wahrscheinlich eher irgendeine Unterform einer Gitarre oder was anderes zum Tröten oder was zum draufhauen. Ich weiß es aber jetzt gerade auch nicht und meine 120-Sekunden Google-Suche hat auch nichts ergeben. Nicht zu vergessen sind natürlich die Orquesta Típica, typische Orchester also, hier aber die Tanzorchester der 20er Jahre. Das hört sich schön an.
Geht man nun tiefer in die Materie, stößt man in der Wikipedia unwiderruflich auf folgenden Satz:
“Die Uruguayer essen zum Frühstück und zu Mittag nur sehr wenig, dafür nimmt das Abendessen einen sehr gewichtigen Raum ein.”
Und dann zumeist Fleisch:
“Das Nationalgericht ist das Asado. Darunter versteht man alle Sorten von (Rind-)Fleisch, die über einem offenen Holzfeuer gegrillt werden. Darüber hinaus werden Innereien wie Nieren, Rinderdarm und auch Kalbsbries auf der Parilla (dem Grill) zubereitet. Ein typisch uruguayisches Schnellgericht ist der Chivito. Dies ist ein Burger mit einer dünnen Scheibe Rinderlende.”
Dass das eine ungesunde Ernährung ist, muss jetzt nicht weiter ausgeführt werden. Zu wenig Vitamine, zuviel Eiweiß. Vielleicht kommt daher auch diese Unausgeglichenheit bei vermeintlich falschen Schiedsrichterentscheidungen, wie neulich diese Schlägerei nach dem verlorenen Viertelfinale gegen Deutschland. Ach ne das war ja Argentinien, ist aber ja auch gleich daneben.
Fußball, der wichtigste Sport in dem kleinen Land mit den drei U`s. Heute geht’s um eine Revanche, wenn ich mit meinen rudimentären Spanisch-Kenntnissen diesen Artikel (mit Video) richtig interpretiere: Uruguay tendrá su revancha, 40 años después. Von mir aus ist eine Revanche ok. Dann freut sich wenigstens jemand (dazu am Ende des Beitrages ein Gedicht). In Deutschland ist das Ergebnis ja eher, sagen wir, zweitrangig. Aber das wird wohl nichts. Dagegen sprechen die Saugnäpfe von Paul, dem “Tintenfisch-Orakel”. Übrigens heute auch Top-Thema in den uruguayanischen Zeitungen. Dagegen spricht auch dieser missbrauchsanfällige Name des Stürmers Diego Forlan…Diego Verlorn hört sich nämlich fast genauso an. Und dagegen spricht natürlich, dass Joachim-badischer-Taktikfuchs-Architekt-Armani-Model-in-spe sich trotz seines Fiebers , seines schweren Schüttelfrosts und seines angegriffenen Magen-Darm-Trakts mit letzter Kraft auf die Fifa-Plastikbank schleppen wird. Nicht zuletzt und weil ihn auch der teutonische Durchhaltewillen erst zum Helden macht und spätestens nächsten Monat auf die Titelseite des Manager-Magazin wuchten wird. Das wird wohl nichts mit der Revanche.
Aber zurück zu Uruguay. Was gibt’s noch zu berichten. Es gibt viel Sympathie für dieses unbekannte Sansibar. Dieses Feuerland im Schatten von Argentinien. Diese Wellness-Oase Südamerikas. Wo viel Licht, da aber auch viel Schatten. Das Auswärtige Amt hat in seinen länderspezifischen Sicherheitshinweisen etwas ganz gefährliches zu berichten: Es geht um Kriminalität. Und das Ministerium unseres…, tja wie sagt man, fast hätte ich eine bereits vergebene Persönlichkeitsbeschreibung hervorgeholt, aber Votzen-Fritz (für die Jüngeren, das ist Friedrich Merz) ist ja schon vergeben und passt ja auch aus sexuell motivierten und persönlichen Motiven nicht. Wie aber dann? Da das jetzt aber mit Uruguay nicht so viel zu tun hat, vielleicht demnächst an anderer Stelle.
Auf jeden Fall das Auswärtige Amt glänzt mit der punktgenauen Analyse:
“Der Schwerpunkt liegt auf Raub- und Diebstahlsdelikten. Diese können zu jeder Tageszeit und an jedem Ort geschehen, auch die Anwesenheit anderer Personen schützt nicht notwendigerweise.”
Man sagt ja, im Internet ist genug Platz für alles, manchmal muss aber gar nicht genug Platz sein und eine künstliche Verknappung wäre eine Überlegung wert. Immerhin wird man nicht gleich erschossen, wenn man nicht weiß, was da jetzt 1970 zwischen Deutschland und Uruguay vorgefallen ist. Ganz anders sieht das schon in Hannover aus.
Die Fahne ist noch ganz schön. Blau-weiß mit einer Sonne die keck von links oben reinguckt. Erinnert mich an Meer, Kokosmilch, Meer und Strand. Das war jetzt das Blau-Weiß-Blau-Weiß.
Zum Abschluss noch ein Gedicht nicht nur für Kenner sondern auch für Uruguay!
Urus sinds, so werden sie genannt,
aus einem klitzekleinen Land,
Kalbsbries liegt schon auf dem Grill,
Forlan der nicht verlieren will,
gegönnt sei euch der Sieg,
blau-weiß-blau – flieg!












