Eva Herman hat recht

Wenn sie in ihrem Wort zum Sonntag “Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg” sagt:

“Schließlich ist das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt 2010 geworden.”

Ansonsten eher nicht so, bzw sie war vielleicht ein bißchen erbost. Über die jungen Leute und vielleicht weil sie nicht mehr selber mitmachen kann (andere Generation), soll (jüngere Bekannte fänden das peinlich), darf (wegen Gott). Kommt vor. Ansonsten sei auf den lesenswerten Beitrag des Kollegen Niggemeier verwiesen. Zum Schluß noch : was sie aber hiermit meint, habe ich nicht verstanden:

“Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen (…)”

Vielleicht könnte unsere Expertin für Sodom, Gomorrah, Sex und Großveranstaltungen ja nähere Ausführungen dazu machen. Sagt man das so in ihrem Glauben, “den Busen blank ziehen”?

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Video-Stream: Warum gibt es so wenige Unternehmerinnen?

Heute um 12.30 pm (18.30 Uhr MESZ) findet hier in Harvard am Berkman Center for Internet & Society, wie jeden Dienstag, die Veranstaltung Luncheon Series statt. Heute wird es sehr spannend. Vivek Wadhwa spricht zum Thema: Entrepreneurship: Where are all the women and minorities? Die Veranstaltung wird per Live-Stream übertragen und später auch noch als Podcast zur Verfügung gestellt. Vielleicht winke ich auch in die Kamera.

In der Ankündigung heißt es zum Vortrag und zur Diskussion:

Vivek Wadhwa will discuss his research on the backgrounds and motivations of entrepreneurs; what makes them successful; what inhibits entrepreneurs; the characteristics of successful entrepreneurs; the success of Indians in Silicon Valley and the dearth of women and minorities.

Ich bin sicher, dass der Vortrag hier heiße Diskussionen auslösen wird und bin gespannt was er zu sagen hat.

Wer ist Vivek Wadhwa?

He is a senior research associate with the Labor and Worklife Program at Harvard Law School and an executive in residence/adjunct professor at the Pratt School of Engineering at Duke University. He helps students prepare for the real world, lectures in class and leads groundbreaking research projects. He is also an advisor to several start-up companies, a columnist for BusinessWeek.com and a contributor to several international publications. Since joining Duke University in August 2005, he has researched globalization, its impact on the engineering profession and the sources of the U.S. competitive advantage.

Mehr Infos dazu auf seiner Website wadhwa.com. Also reinschauen und hier oder woanders kommentieren, wenn ihr Anmerkungen habt.

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Interview zur eEtiquette der Telekom heute bei Radio Fritz

Ich bin heute gegen 18.40 Uhr zu Gast in der Sendung Trackback von Radio Fritz des RBB. Es geht um die vergangene Woche veröffentlichte eEtiquette der Deutschen Telekom. Ich habe dies in dem Beitrag Jetzt wird’s ernst: Telekom veröffentlicht Netz-Knigge sarkastisch kommentiert. Im Interview geht es um Sinn und Unsinn dieser eEtiquette. Ich habe schon etliche Hinweise und Kommentare erhalten, wie ihr das seht. Wie muss eine solche eEtiquette, wenn es sie denn überhaupt braucht, eigentlich aussehen? Wenn es darüber hinaus noch Anmerkungen gibt, kommentiert diesen Beitrag, ich lasse die Punkte dann in meinem Interview einfließen.

Die Telekom hat sich im Übrigen noch nicht bei mir gemeldet, kann man vielleicht nicht unbedingt erwarten, wäre aber durchaus ein ganz schlauer Zug, wenn man sich so sicher ist, zu wissen wie man sich als User zu verhalten hat und dann gerade von dieser Seite so massiver Kritik ausgesetzt ist. Hier gehts zum Livestream der Sendung (Beginn 18 Uhr).

Update:
Hier ist die Sendung als Podcast.

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CDU-Staatssekretärin nackt in BILD?

Nein, natürlich nicht und sehr geehrte Frau Staatssekretärin Klöckner, das ist jetzt auch kein Grund für eine Abmahnung, denn das sind gar nicht Sie, sondern Sandra, 21, aus “Neustadt an der Ostsee”. Und Sandra steht auf gute Tänzer und macht gerne ihr “eigenes Ding” und hat Leberflecken auf dem Bauch, wie Bild-Online verrät. Wie das bei Ihnen ist Frau Klöckner, weiß ich nicht. Allerdings stoße ich bei der, na ja, sagen wir doch eher zufälligen Bild-Lektüre auf einen Zwei-Satz-Beitrag in dem das BMELV, namentlich durch Sie, Julia Klöckner, Schilder mit größeren “Grundpreisangaben” in Supermärkten fordert, denn diese “sind oft so klein und unleserlich, dass ein schneller Vergleich unmöglich ist”.

Das wiederum ist nicht der Fall, wenn ich mir Sandra betrachte. Und das ist gar nicht so schwer, denn Sandra hat sich unmittelbar an den soeben zitierten Text gekuschelt. So nah, dass, nein, Sandras Brüste sind nicht zu klein, unleserlich sind sie auch nicht, obwohl die linke Brust von ihren Haaren halb verdeckt ist, ist aber nicht so schlimm. Im Gegensatz zum Supermarkt ist hier ein schneller Vergleich auch sofort möglich. Und, liebe Julia Klöckner, kann es sein, dass Bild hier ein bisschen mit Ihnen spielt? Ist ja jetzt nicht so schlimm, doch aber noch eine kleine Bemerkung am Rande wert. Zumal Sie mit 37 auch noch einigermaßen jung sind. Zugegeben nicht mehr 21, aber auch das ist ja nicht schlimm.

Und übrigens, ich finde nicht nur die Grundpreisangaben im Supermarkt viel zu klein, sondern auch die mit dem Endpreis. Manchmal erschrickt man ja richtig an der Kasse. Richtig also, tun sie was!

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7 Tage als Blogger: Eine winzig kleine Zwischenbilanz

Seit einer Woche gibt es nun dieses Blog. Zeit für eine winzig kleine Zwischenbilanz: Tag für Tag ist es gelungen, die Seite immer ein kleines bisschen besser zu machen und neue Dinge einzubauen. Auch die Hürde Flattr wurde erfolgreich überwunden. Eure Reaktionen freuen mich sehr und insbesondere waren es viel mehr als gedacht. Ich staune und bedanke mich. In wenigen Zahlen: In den ersten 7 Tagen haben über 1.500 Leute die Seite besucht. Dabei wurden 15 Kommentare hinterlassen. Die Beiträge und die Seite wurden 23 mal geflattert. Es gibt schon eine stattliche Anzahl an Verlinkungen. Heute hat zudem sogar jemand über den Suchbegriff “konnte nicht schwimmen” auf die Seite gefunden. Und die erste Interviewanfrage gibt es auch schon. Am Samstag werde ich gegen 18.45 Uhr in der Sendung “Trackback” von Radio Fritz des RBB am Telefon zu Gast sein.

Die Bilanz der ersten Woche fällt also sehr positiv aus. Ein großer Dank deswegen zunächst an meine iRights-Kollegin Valie Djordjevic die mir hier mit Rat und Tat hilft. Und bitte weiterflattern, ich musste ihr einen feuchtfröhlichen Abend als Kompensation für die erste Flattr-Abrechnung versprechen. Nein, natürlich nur flattrn wenn auch der Inhalt gefällt. Ansonsten lieber woanders. Es geht hier schließlich um mehr, bessere, kritischere und manchmal sarkastischere Beiträge für das Netz. Wo auch immer diese entstehen mögen.

Ein Dank natürlich auch an jeden der 1.500 Besucher. Manche mögen den Inhalt einfach hingenommen haben, andere fanden die Beiträge vielleicht nicht so toll, anderen wiederum hat es gefallen. Ist alles in Ordnung. Ich bin gespannt was hier weiter passieren wird. Bis dahin!

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Jetzt wirds ernst: Telekom veröffentlicht Netz-Knigge

So, das hat jetzt gerade noch gefehlt. Die Deutsche Telekom hat zusammen mit der “Deutschen Knigge-Gesellschaft” etwas veröffentlicht, das, ja wie soll man sagen, bestimmt etwas Brauchbares und Wegweisendes sein soll. Wer die Knigge-Experten für Altertumsforscher oder Wiedergeborene der Buddenbrooks hält, der irrt gewaltig. Zusammen mit dem bekannten und beliebten magentafarbenen Servicedienstleister wurde jetzt die berüchtigte eEtiquette -101 Leitlinien für die digitale Welt entwickelt. Um was gehts? In der Selbstbeschreibung heißt es:

“101 digitale Empfehlungen: Genau hier setzt das Team des Creation Centers der Telekom Laboratories unter der Leitung von  Raimund Schmolze an. Und stellt nun, nach mehrmonatiger intensiver Recherchearbeit und zahlreichen Workshops mit Teilnehmern aus mehr als 12 Nationen, erstmals eine eEtiquette mit 101 Dos and Don’ts für den digitalen Alltag vor.”

Nicht mit den Marmeladefingern in der Tastatur rumklappern, nicht auf den Bildschirm schnäuzen oder so was, ja das hätte man noch erwartet. Den Experten für die elektronische Welt  ist es aber gelungen, weit mehr zu schaffen: Eine unerträglich hässliche Webseite, mit Schrift die man nicht lesen kann, die zu allem Überfluss auch noch in der von der Telekom markenrechtlich geschützen Farbe Magenta daherkommt, und dann noch vollgestopft ist, mit wahrhaft unterirdischem Content. Content ist ja eigentlich King. Hier ist Content Kong. Oder um es anders zu sagen, ist das überhaupt Content? Egal, das ist vielleicht auch eher eine philosophische Frage. Wer jetzt noch einen entspannten Abend ohne neue Regeln haben will, der sollte woanders hin klicken. Es gibt auch gute Tierdokumentationen im Internet.

Doch neugierig? Ok, read on my dear, denn jetzt geht’s ins Detail. Was muss beachtet werden, in der digitalen Welt. Und Vorsicht, Knigge-Aussagen sind bestimmt mehrheitsfähig. Beginnen wir mit der “Leitlinie des Tages”, heute Nr. 5:

“Sollte Deine E-Mail einem Epos gleichen, gestehe dies aus Achtung gegenüber geduldigen Lesern ein.”

Hm….soll man darauf jetzt eingehen? Ne, lieber nicht, das wird sonst ein Epos. Na gut, das hier ist schon sinnvoller (Regel Nr.1) : “Nutzt du einen neuen Kommunikationskanal, beobachte zuerst und erkunde die grundlegenden Verhaltensregeln.” Einverstanden. Wird aber gleich wieder völlig entwertet durch diese Leitlinie hier:

“Menschen zuerst: Eine reale Person hat gegenüber einem technischen Gerät immer Vorrang und verdient Deine volle Aufmerksamkeit.” (Regel Nr.71)

Wenn man das weiterdenkt führt dies unweigerlich zu der schwierigen Frage: Tiere oder technisches Gerät? Was hat Vorrang? iPhone oder Hauskatze? Und was, wenn ich beides habe? Wen bevorzuge ich, wer muss leiden? Und wer hat Vorrang wenn das iPhone mit einem Telekom-Vertrag zwangslizensiert ist? Und was, wenn ich meine Hauskatze magentafarben einfärbe? Viele Fragen, ich denke darüber nach. Bis dahin weiter zur nächsten Leitlinie.

Vielleicht Nr. 28:

“Ja, man darf auf Twitter auch Leuten “folgen”, die man nicht persönlich kennt”.

Dazu folgende vorsichtig formulierte Frage: Folge ich dann eigentlich Menschen oder einer Maschine? Das hast du nicht erwartet, lieber digitaler Telekom-Knigge! Na?

Und jetzt noch die drohende Peitsche eines katholischen Mädcheninternats in Regel Nr. 41:

“Führe in fremden Wohnungen keine langen Telefonate und entschuldige Dich für Deine schlechten Manieren.”

Natürlich, entschuldigen Sie.

Wie gehe ich ans Telefon?

“Melde Dich mit Deinem vollständigen Namen wenn Dich ein unbekannter Teilnehmer anruft” (Regel Nr. 50)

Das ist insbesondere für Cold-Call-Anrufe wichtig, dann stellt sich diese doofe Identifikationsfrage gar nicht und man kann gleich einen günstigen telefonischen Vertrag abschließen. Nebenbei: Gilt das auch für Festnetztelefone? Und ist das dann auch digital? Ich meine, es gibt ja noch andere, ältere Apparate. Das ist jetzt aber wahrscheinlich ungerecht, wenn ich hier Wortklauberei betreibe. Entschuldigen Sie ein weiteres Mal.

Jetzt geht es noch um Reue und soziale Netzwerke (Regel Nr. 60):

“Du könntest es bereuen, Dich mit nahen Verwandten, Ex-Partnern, Mitarbeitern oder Deinem Chef in sozialen Netzwerken anzufreunden. Überlege gut.”

Da ist was dran, aber, ich könnte es auch bereuen, auf Familienfeste mit allzu vielen nahen Verwandten zu gehen, meine Ex-Freundin knutschend im Park zu beobachten oder meinen Chef im Schwimmbad zu treffen. Ach man könnte so viel.

So, es gibt da jetzt noch über 90 weitere Regeln. Nicht mit Marmeladefingern in die Tastatur tippen oder auf den Bildschirm schnäuzen war nicht dabei. Die beiden wichtigsten Dinge vergessen. Deswegen mein Fazit: Leider völlig unbrauchbar. Und wenn hier jemand die Recherche zu bemängeln hat, ich habe alle 101 Regeln gelesen. Ist aber nicht zu empfehlen. Das macht einen breiigen Kopf.

Immerhin habe ich diese Regel hier (Nr. 95) mit meinem Blogbeitrag eingehalten:

“Bezeuge Dein Beileid auf demselben Wege auf dem Du eine traurige Nachricht erhalten hast”.

Es tut mir aufrichtig leid, liebe Telekom, lieber Knigge, ihr Angebot ist leider durchgefallen. Nehmen Sie es doch einfach aus dem Netz. Oder ist das der Abschlussbericht für Ihr Forschungsvorhaben? Dann natürlich so lange drinlassen, bis die Haushälter einmal drüber gegangen sind. Danach aber raus. Ja? Bitte, danke!

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Teil 2: Im Gespräch: Wie gehts den Quallen im Golf von Mexiko?

Frage: Guten Morgen Herr Wardhay, ich begrüße Sie in unserem fast echten Interview und, wenn Sie erlauben, stelle ich Sie kurz vor. Sie waren bis vor kurzem in leitender Position eines großen Ölkonzerns und standen viel in der Öffentlichkeit. Man konnte lesen Sie wurden auch gegrillt, sie sehen dafür aber ganz gut aus, alles gut überstanden?

Antwort: Guten Morgen, ja das ist richtig, aber hören Sie mit diesen Geschichten auf.

F: Einverstanden. Gleich zu unserem heutigen Thema: Wie geht es der Quallen-Population im Golf von Mexiko?

A: Ich verstehe sie nicht.

F: Na ich meinte, Quallen sind ja diese transparenten Tiere, die man nicht grillen kann und…

A: Ja ja, ich kenne Quallen.

F:…genau und an den Stahlgerüsten der Ölplattformen im Golf von Mexiko fühlen sie sich doch besonders wohl und wachsen und gedeihen da als Polypen ganz prima…

A: Ja da haben Sie allerdings recht! Leider ist uns ja jetzt eine Bohrinsel verloren gegangen, das hat dramatische Auswirkungen auf die Quallen-Population!

F: Warum?

A: In zweierlei Hinsicht. Erstens bedeutet das: Weniger Lebensraum für die kleinen Quallen an der Bohrinsel, gleichzeitig dadurch auch weniger Nahrung für die Polypen, da ein guter und nährstoffreicher Platz zum Aufwachsen verloren ist. Die Quallen haben dann in der Folge mehr Hunger und sind unzufriedener. Das wiederum führt dazu, dass sie sich entweder gegenseitig auffressen oder andere Tiere wie Seegurken oder sogar Krill, also nicht den Grill den Sie zum BBQ brauchen…hahaha…sie fressen also dann andere, für ihren Magen ungewohnte, Tiere und das bringt ihren Immunhaushalt durcheinander.

F: Ah ok. Und das andere?

A: Ja das ist noch tragischer. Durch die fehlenden Stahlgestänge müssen die Quallen in größerer Tiefe aufwachsen und werden dann so klein, dass sie sich im Ozean gar nicht mehr gegenseitig finden können. Und wir alle wissen ja was das heißt: Wenn man sich nicht findet, kann man sich nicht vermehren. Das ist ein großes Problem.

F: Und daran sind jetzt Sie schuld weil Sie die Bohrinsel verloren haben?

A: Nein, natürlich nicht! Denn wir haben durch den Bau und den Betrieb der Bohrinsel ja erst dafür gesorgt, dass es mehr und besseren Platz für Polypen und es dadurch dann auch mehr Quallen gibt…uns jetzt das ‘weniger’ in die Schuhe schieben zu wollen, halte ich wirklich für falsch.

F: Und wollen Sie nun handeln oder haben Sie bereits Pläne die verlorene Bohrinsel zu ersetzen?

A: Ja, unbedingt. Unsere Experten arbeiten daran. In Kürze, vielleicht schon morgen, werden wir eine für alle zufrieden stellende Lösung präsentieren. Seien sie schonmal gespannt!

F: Sie machen mich neugierig! Lieber Herr Wardhay, haben Sie herzlichen Dank für das offene Interview.

A: Mit Ihnen doch sehr gerne. Sie verstehen etwas von Ihrem Fach.

F: Oh danke für das Lob.

A: Aber gerne.

F: Darf ich Sie jetzt noch zu einem italienischen Espresso auf der Terrasse einladen?

A: Ein andermal sehr gerne, heute aber nicht, meine Frau wartet, Sie verstehen…

F: Dann aber das nächste Mal?!

A: Versprochen!

Das Interview ist Teil 2 einer beliebten zweiteiligen Serie. In Teil 1: Über das Leben der Quallen im Golf von Mexiko geht es um die Hintergründe, die Fakten und um eine gelungene Animation im New England Aquarium in Boston.

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Teil 1: Über das Leben der Quallen im Golf von Mexiko

Das New England Aquarium in Boston eignet sich für so einiges. Für gemütliche Stunden um darin zu verweilen, um im angegliederten Shop eine Stoffrobbe zu kaufen oder auch um einen kleinen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit der dort beschäftigten Forscherinnen und Forscher zu erhalten. Museumspädagogisch ist auch alles auf dem neuesten Stand. Schon die Kleinsten finden Klappkarten in denen die Tiere, die nicht sprechen können, erklärt werden, eine Spielecke oder auch Comics in denen es um schwere Themen wie Überfischung geht. Selbst lebende Schnecken und Muscheln dürfen angefasst werden. Das alles ist ziemlich gut.

Auch der extra gelegene Raum in dem es um Quallen geht, ist sehr interessant. Zumal Quallen zwar relativ leicht zu fangen, doch aber eher unbeliebte Tiere sind. Nichtmal richtige Augen haben sie. In dem Raum lernt man aber eine Menge. Über Paarungsverhalten und ihre Lebensweise. Wenn sie klein sind, heißen sie Polypen. Und wo klammern sich Polypen gerne fest? Genau, am liebsten an den Stahlgestängen von Bohrinseln. Interessiert man sich dafür, wird man im Quallenraum sogleich zu einer interaktiven Schautafel gelockt. Das Schaubild eröffnet mit der präzisen, nie gestellten und hoch interessanten Frage:

“Do oil platforms affect the Gulf of Mexico?”

Ja, das ist eine gute Frage. Folgen wir der Aufforderung die interaktive Grafik zu berühren. Folgendes Bild wird sichtbar:

Da das jetzt etwas unscharf ist. Da steht: Links unter der Lupe: “Polyps are on stage of the jelly life cycle. They need to attach to something hard, such as the legs of oil rigs”. Die Stützpfeiler der Bohrinseln sind also wichtig für die Polypen. Rechts daneben steht: “These jelly polyps give rise to medusas, the jelly life stage we are most used to seeing”. Ein Quallen-Kindergarten also. Und dann drunter schwupps drei Ölbohrinseln mehr. Warum? “More oil rigs create more places for jellies to grow”. Ja stimmt! Das ist auch nicht von der Hand zu weisen, schließlich wurde auch die halbe New Yorker U-Bahn und der Flugzeugträger “USS Oriskany” zur Bildung von künstlichen Riffen im Atlantik versenkt. Aber Ölbohrinseln und Golf von Mexiko, da war doch was. Stimmt. Unbeabsichtigt wird das in der nächsten Grafik berücksichtigt:

Die Qualle an sich muss sich also nur ein bißchen an die veränderten Lebensgewohnheiten anpassen. Vielleicht schmeckt ihr Öl ja auch irgendwann? Und dann sind nicht nur Ölbohrinseln für Quallen gut, sondern auch explodierte Ölbohrinseln. Alles eine Frage der Zeit. Keine Unruhe jetzt bitte. Kollateralschäden sind ausdrücklich nicht zu beachten.

Schön, wieder was gelernt im New England Aquarium. Und da mit der Irving Oil Corporation, der Suez Energy Resources und der UGL UNICCO mindestens drei Unternehmen Sponsoren des Aquariums sind, die direkt auch mit der Ölförderung zu tun haben, vielleicht doch noch mal die Bitte, noch ein bißchen mehr zu spenden. Warum? Zum Beispiel um die interaktive Schautafel auf den neuesten Stand zu bringen. Eine kleine hinzugefügte Animation mit einer versunkenen Ölbohrinsel hätte doch was. Zumal dann noch viel mehr Platz für Polypen, ergo: noch mehr Quallen ist. Und um abschließend noch die Frage zu beantworten: “Do oil platforms affect the Gulf of Mexico?” Ja, aber das war ja auch das pädagogische Ziel der Schautafel. Eine rhetorische Frage also.

Dies ist Teil 1 der kleinen zweiteiligen Serie über das Leben der Quallen im Golf von Mexiko. In Teil 2 kommt nun auch noch ein möglicherweise vor kurzem früh verenteter PB-Manager in einem fast echten Interview zu Wort. Nennen wir ihn Mr. Wardhay. Auch ihm liegen die Quallen am Herzen. Hier gehts zu Teil 2: Im Gespräch: Wie gehts den Quallen im Golf von Mexiko?

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Liebling Schland bedrängt Raabs Anwälte

2006 das erste Mal eingeführt, 2010 zur Vollendung gebracht: Deutschland heißt jetzt Schland. Das muss man erstmal hinkriegen. Millionen von Fußballfans sprechen inzwischen automatisiert von “Schland” wenn es um die Länderbezeichnung geht. Umso erstaunlicher, dass die Wikipedia das Wort “Schland” nicht beinhaltet. Gut, darüber wird es bestimmt auch eine Debatte geben, ich halte sie jedoch -ohne sie zu kennen- erstmal per se für an den Haaren herbeigezogen. Ein Wort mit einer solchen Reichweite muss schlichtweg darin enthalten sein. Das Wort “Schland” ist seit November 2005 von -schon wieder- Stefan Raab bzw. seinem Unternehmen Raab TV GmbH als Wortmarke angemeldet. Interessant dürfte an dieser Stelle sein, in welche Umfang hier zur Zeit Markenrechtsverletzungen verfolgt werden. Denn, “Schland” ist inzwischen ein Stück kollektives Gedächtnis und nicht mehr nur eine geniale Wortmarke. Und das eine hat mit dem anderen inzwischen auch nur noch bedingt etwas zu tun. Dies zeigt auch die aktuelle Berichterstattung.

Zwei Artikel die den Begriff verwenden, stechen hervor: Da ist zunächst Spiegel Online mit Mehr als ein Schlandfleck. Na gut ein Schandfleck wäre auch der vierte Platz nicht gewesen, das hätte, lieber Jan Reschke, auch fast niemand so empfunden. Die Motivation allerdings ist klar: Auf Teufel komm raus das Wort ‘Schland’ in der Überschrift unterbringen. Ist schon ok. Und zeigt dafür umso mehr wie alltagsgebräuchlich und modisch der Begriff in den letzten Jahren geworden ist, dass nicht einmal mehr der Spiegel darauf verzichten kann. Das war jetzt übrigens ein etwas wehmütiges Herangehen, denn eigentlich gibt es auch an diesem Punkt zwischen dem Spiegel und anderen Zeitungen, wie der Bild-Zeitung, manchmal keinen Unterschiede mehr. Das war jetzt aber zu hart. Nein, war es nicht, wenn man den folgenden Artikel von Bild Online betrachtet und soll außerdem auch keine Wertung enthalten, lediglich eine Feststellung.

Bild titelt: Jogi Löw ist Liebling Schland. Nebenbei, ich habe selten so einen feinen Artikel bei Bild Online gelesen. Danke Stefan Hauck! Der “Bundestrainer der Herzen” und dies in diesem Zusammenhang nicht als Alternative zu jemand anderem, sondern als Gefühl. Kollektiver Liebling Schland. Nebenbei, sind wir mal ehrlich, Schland sagt man auch viel lieber als Deutschland. Man summt sogar dieses Lied mit. Aber auch Uwu Lena hat sich erst im Nachhinein notgedrungen mit den Anwälten der Rechteinhaber zusammengesetzt.

Und jetzt wirds spannend. Das Markenrecht gibt einem Markenrechtsinhaber nur solange Schutz, solange sich seine ursprüngliche Marke nicht als Gattungsbezeichnung allgemeingebräuchlich durchgesetzt hat. Dass es dann keinen Schutz mehr gibt, nennt man Freihaltebedürfnis. Nach § 8 Absatz 2 Nr. 2 Markengesetz liegt dann ein absolutes Schutzhindernis vor. Da “Schland” inzwischen auch gute Chancen haben dürfte, “Wort des Jahres” zu werden, stellt sich die äußerst spannende Frage, ab wann Stefan Raabs Markenrechte ernsthaft angegriffen werden können. Und um das nur am Rande festzuhalten, Raab hat das Wort nicht erfunden, sondern war nur der Schnellste um auf den Trend aufzuspringen. Das ist aber markenrechtlich auch so vorgesehen und möglich.

Schon Google musste vor ein paar Jahren ernsthaft beim Brockhaus intervenieren, dass die Bezeichnung Googlen = ‘im Internet suchen’ ersetzt wurde durch ‘im Internet mit Google suchen’. Da ging es um die gleiche Frage. Nach § 16 Absatz 1 Markengesetz gibt es dabei sogar einen Anspruch eines Markeninhabers, dass eine geschützte Wortmarke nicht in Lexika auftaucht um den Eindruck zu erwecken es handele sich um eine Gattungsbezeichnung. Die Frage bleibt, handelt es sich hier nur um einen Eindruck oder ist es nicht schon viel mehr? Eine spannende Frage. Raab macht derweil fleißig PR für seine Marke. Auf YouTube ist vor sechs Wochen ein Video des Nutzers “tvtotalde” mit dem Titel Die Geburtsstunde von schland.de aufgetaucht. Kurz vor der WM ein mehr als deutlicher Hinweis darauf, wem das alles gehören soll. Das .de wurde gerade noch fast zufällig in den Videotitel eingebaut. Aber das geht sowieso unter. Das Video wurde schon mehr als 226.000 mal angeklickt und enthält doch nur PR. Ziemlich gutes virales Marketing, soviel steht fest.

Dies aber nur als kleine Randnotiz, denn heute spielt ja nicht Schland. Und wer wird Weltmeister? Und hier muss gleich eine schöne Geschichte beerdigt werden. Das Tintenfisch-Orakel Paul hat vorhergesagt dass es Spanien wird. Leider lieber Paul, gibt das Calamari fritti. Holland wirds nämlich. Ganz sicher.

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Unwetter in Boston: Wie Michael Marino zum Helden wurde

Morgens um halb sieben in Boston einen adäquaten Kaffee zu bekommen ist selbst im Theaterviertel durchaus kompliziert. Schlussendlich war ich aber erfolgreich. Über die Qualität sage ich jetzt nichts. Großartig ist allerdings das Motto das auf der Pappe des Bechers prangt: “oh thank heaven! 7Eleven”. 7Eleven ist übrigens der Name des Ladens, und das ist sein großer Vorteil, jedes Mal wenn ich bislang da war, hatte er offen. Und da das heute früh der Fall war, habe ich auch gleich noch eine Zeitung gekauft. Die New York Times oder der Boston Globe waren mir heute früh zu anspruchsvoll. Deswegen der kühle Griff nach dem Boston Herald. Viele Bilder, die wichtigsten Fakten und vor allem alles über das schlimme Unwetter, den “Thunderstorm”, von gestern.

Im Bild: Die Rettung

Was da alles passiert ist. Hätte ich das gewusst, wäre ich nicht staunend am Fenster gesessen, sondern hätte tatkräftig mitgeholfen zu retten. In einem überfluteten Autotunnel musste eine Frau gerettet werden. Der Held: Michael Marino, Feuerwehrmann, auf dem Weg zur Arbeit. Was war passiert? Im Prinzip brauche ich dazu nur dieses Ein-Satz-Zitat aus dem Boston Herald:

“‘He saved my life’, said Christine Broderick, 45, of Somerville, who wore a soaked “I`m purrfect” T-Shirt with a picture of a cat.”

Na gut noch ein paar Details: Sie war ein bisschen nervös als Marino ihr half, auf das Dach des Autos zu klettern, verlor dabei ihre Brille, hatte einen Hyundai Santa Fe und konnte nicht schwimmen. Letzteres war aber gar kein Problem, da Marino, “a former Navy diver”, alte Reflexe aktivieren konnte. Auch psychologisch hatte er alles im Griff: “I talked to her and tried to calm her down. I asked her, ‘What she was having for dinner?’”

Broderick war glücklich. Wir alle sind glücklich und können uns den Worten von Broderick nur anschließen: “He`s a lifesaver; he deserves a medal”. Der Artikel endet mit einer weiteren Rettungsaktion. Die allerdings war nicht ganz so dramatisch, deswegen belasse ich es beim Zitat: “DeLacey and her friend escaped on foot, though she lost her gold-colored flats and her phone”. Es bleibt ein gutes Gefühl, dass wir alle zusammen dieses furchtbare Unwetter überstanden haben.

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