Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) ist nicht nur irgendeine Organisation, sie ist seit 26 Jahren die Allzweckwaffe der Musik-und Filmindustrie. Für die einen ist sie Heilsbringer und Retter des Abendlandes, für andere ist sie der personifizierte digitale Teufel.
Mit der von ihr mit durchgeführten Kampagne “Hart aber gerecht” hat sie in weiten Teilen der Bevölkerung suggeriert und in den Köpfen verankert, dass jegliche Urheberrechtsverletzungen mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Durch das Stellen von tausenden Strafanzeigen und das Verwenden von Kriegsrhetorik, wenn es um das Kopieren von urheberrechtlich geschütztem Material geht, hat sich die GVU bei vielen Nutzern einen Beliebtheitswert von weit unter null hart erarbeitet. Befördert wurde dies zudem noch durch diverse Skandale (GVU soll Raubkopierer gesponsert haben und illegale Löschung von Videos bei Vimeo) in denen die Grenze des Erlaubten überschritten wurde.
Doch blicken wir einmal zurück. Ich habe ein paar Schmankerl aus der Geschichte der GVU herausgesucht. Hilflose Versuche im Wandel der Zeiten. Im weißen Gewand und mit besten Absichten. Unfähig die Realität zu erkennen und zu verstehen. Doch jetzt sollte ich mal nicht so hart sein, es sind wirklich lustige Sachen dabei. Here we go.
Alles fing 1984 an. Die ersten verfügbaren Spuren die ich im Web Archive unter der damaligen Vereins-Website www.gvu.de gefunden habe, kommen dann, pünktlich zu Weihnachten, am 19.12.1996. Große Namen ihrer Mitglieder, schlichtes Design und eine eMail-Adresse:
Irgendwie müssen die Weihnachtstage aber unruhig gewesen sein, denn jetzt geht es erstmal darum Gesicht zu zeigen. Ein blinkender weißer Totenkopf mit roten Augen auf schwarzem Grund kündigt schon am 22.02.1997, also vor mehr als 13 Jahren, von der drohenden Gefahr für die Internetnutzer:
Am 15.12.1998 wird dies dann präzisiert: “In The Frontline To Protect Copyright”. Die Waffen werden scharf gemacht:
Die Sommerpause 2003 hat dann wieder etwas beruhigender auf das Gemüt der Überzeugungsjäger gewirkt. Am 21.09.2003 bietet die GVU jetzt nicht nur “Informationsmaterial” sondern grüßt auch ganz freundlich mit “Herzlich Willkommen”. So herzlich dürfte der Gruß aber nicht überall aufgenommen worden sein. Zumindest der Totenkopf in der “Anti-Piracy-Flagge” schaut ganz betröppelt. Ist aber schnell vergessen, denn die Sensationsberichterstattung beginnt! Mit der Rubrik “Kurzberichte über aktuelle Durchsuchungen” mit schöner Landkarte wird ein neues Tool zur Präsentation der Jagdtrophäen ins Leben gerufen:
Danach gab es noch zwei weitere Änderungen des Designs, die aber nicht wirklich einen Mehrwert bringen. Schon besser dann am 06.12.2005. Prominent auf der Website ein Download-Link zu “Digital File Check”. Was ist das? Ganz einfach: “Programm sucht und löscht sog. Internet-Tauschbörsen auf Computern”. Scheint ja erfolgreich gewesen zu sein, man hat in den Jahren danach fast nichts mehr von diesen Tauschbörsen gehört.
Die Website vom 08.05.2007 sieht übrigens der von heute, inklusive aller Bilder, täuschend ähnlich. Aber die Katze sieht auch verdammt gut aus. Und noch ein einzelnes Fundstück: Die GVU hat 2003 zusammen mit der IFPI das Merkblatt “Erkennungsmerkmale piratisierter CD/DVD” (PDF) herausgebracht. Aus zeithistorischen Gründen lohnt sich da ein Blick.


















Ich wollte mich zuerst über ein Fundstück aus dem verlinkten PDF mokieren: “Keine legalen DVDs werden ohne Regional Code verkauft”. Dann habe ich aber gemerkt, dass das wohl so stimmt (Zitat WP):
Im PDF: Rechtschreibfehler! “veröffentlciht”, “beschreibar” …
Die Rechte an den Bildern hatten die damals wahrscheinlich auch nicht.
Selbstgerechte Bande.