Ein Blick in die Zukunft: Bild.de geblockt

Dies ist ein fiktiver Fall. 2011: Deutschland hat nun ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage erfunden. Wir haben uns langsam daran gewöhnt, dass die Angebote von verschiedenen Online-Medien nur noch gegen Gebühr zu haben sind. Geändert hat sich eigentlich gar nicht so viel. Wir überweisen jeden Monat einen gewissen Betrag. Den Streit über die Höhe gab es 2010 schonmal in einem anderen Bereich, der Kulturflatrate. 2011 hat man sich dann beim Leistungsschutzrecht endlich pro Monat auf 19,99.- Euro im Sparangebot für freie Journalisten und 29,99 Euro für Banken, Versicherungen und den ganzen Rest entschieden. Und wenn man schonmal soviel Geld bezahlt, dann sollte man die Springer-Medien nicht nur gewerblich nutzen, sondern auch eigentlich stärker beachten. Sonst war die ganze schöne neu erfundene Leistung der Verlage ja doch wieder nur umsonst.

Von den ganzen Kollateralschäden haben wir noch nichts gehört bzw. die ersten Gerichtsentscheidungen über Kollisionen mit dem Urheberrecht, fehlgeschlagene Zweitverwertungen und Eingriffe in die Kommunikationsfreiheiten der Nutzer stehen noch aus. Den Unterhändlern (schwarzer Hut, grauer Mantel, unauffälliges Gesicht, schwarzer Koffer) der Befürworter von Verlagsseite ist es gelungen, auch eine “Im-Zweifel-Regelung” im Gesetz unterzubringen. Im Zweifel nutze ich also und muss bezahlen. Na ja, dann ist das eben so. Schafft man es dann doch in einem langwierigen mehrjährigen Verfahren von einer unabhängigen Springer-Kontrollkommission feststellen zu lassen, dass man diese Verlagsangebote dann doch nicht nutzt, und es hier keinen Zweifel gibt, so sollte man höllisch aufpassen, nicht aus Versehen über so einen, wie heißt das, Link, ungewollt auf die Springer-Seiten zu geraten. Denn sonst wird der wegdiskutierte Zweifel wieder ein Vollzweifel und man rutscht ganz schnell wieder in die Kategorie der professionellen Vollnutzer.

Um das zu verhindern, bieten Kritiker inzwischen neue, besonders schön aufbereitete, Patches zum Download an. Diese helfen, dass man wahlweise nur noch anonym auf die Angebote zugreifen kann, oder dass die Angebote dann gleich ganz geblockt werden. Letzteres ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll. Erstens braucht man die Angebote nicht, da alle dort enthaltenen Informationen im Netz bereits abrufbar und Im-Zweifel! irgendwo anders besser aufbereitet zur Verfügung stehen. Zweitens erspart man sich dann sowohl die Werbung mit der man zugeballert wird, wenn man die Seite aufruft, als auch die, die vor den angebotenen Videos 30 Sekunden lang vorgeschaltet ist. Also gleich ganz sperren, das generiert dort dann auch keinen unnötigen Traffic wenn man gelangweilt nachts irgendwelche Bild-Klickstrecken durchklickt. Man kann das übrigens dann auch für ganze Netzwerke einrichten.

Wie sowas dann aussieht, kann ich hier mal im positiven Beispiel zeigen. Heute früh, 9 Uhr, das WIFI am Harvard Square in Cambridge/Massachusetts zeigt nach Aufruf von bild.de und gutem Zureden folgendes an:

Man könnte natürlich auch noch automatisiert auf die lieblose Seite einen netten Spruch, ein Comic oder den Hinweis: “Entschuldigung, die deutsche Qualitätspresse ist hier gerade aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr erreichbar. Weichen Sie doch einfach aus!” einbauen. In den -wie im Screenshot zu sehen- hier verschlagworteten Kategorien “News/Media, Lingerie/Bikini, Nudity” finden sich doch garantiert auch noch andere, vielleicht viel bessere Angebote.

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